»Wildzauber«

Allgemein

[der Beitrag enthält Werbung]

Der Schnell Verlag war so freundlich, mir eine Ausgabe von »Wildzauber« von Gudrun Höhn für eine Rezension zur Verfügung zu stellen. Besonders spannend an dem Buch finde ich die Idee, ein Kochbuch ganz ohne Bilder umzusetzen. Ich habe mittlerweile eine stattliche Sammlung an Kochbüchern, mit und ohne Wild, und merke immer wieder, dass ich Rezepte, bei denen mich das Foto nicht anspricht oft nicht ausprobiere – obwohl sie eigentlich vielversprechend klingen. Das Buch lässt an dieser Stelle mehr Raum für Fantasie und eigene Versuche.

Ein Kochbuch für Wildrezepte»Wildzauber« beginnt mit einer kleinen Einleitung und einem Abschnitt über Jagd und Jagdkultur, dann geht es zur Sache: Suppen, Salate, Hauptgerichte, Beilagen und Soßen werden auf insgesamt 150 Seiten ausgiebig behandelt. Die Rezepte werden kurz und knackig Schritt für Schritt beschrieben und lassen sich gut nachkochen. Vorgestellt wird eine klassische Herangehensweise an das Thema Wild: Rehfilets mit Pfifferlingen, Hirsch in Biersoße oder Wildtauben mit Wirsing… Bodenständig und regional, mit vielen Ideen für Niederwildjäger, die noch Fasanen, Rebhühner und Hasen im Revier haben.

Weniger gut als der eigentliche Inhalt gefällt mir die etwas lieblose Gestaltung: reinweißes, durchscheinendes Papier, kaum Weißraum und ein eigenwilliger Umgang mit Schrift begeistern mich als Kommunikationsdesigner nicht. Ein Kochbuch ohne Bilder anzugehen finde ich großartig – aber dann muss die typografische Umsetzung das Konzept auch tragen können, ansonsten bleibt es eben bei einer reinen Rezeptesammlung.

__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Ein Rezept habe ich ausprobiert, und das hat mich für die Gestaltung wieder entschädigt: Rehmedallions mit Waldpilzkruste

Rehrücken mit einer Kruste aus Waldpilzen

 

 

150 g Butter
1 Schalotte
150 g Steinpilze und 150 g Pfifferlinge, beide gewürfelt
(Ich habe die Pilze durch getrocknete Herbsttrometen ersetzt)
1 EL Petersilie, gehackt
Salz, Pfeffer
12 Rehmedallions (Ich habe Rücken verwendet, das Buch gibt nichts vor)
Öl
3 Wacholderbeeren
je 1 Zweig Thymian und Rosmarin
50 g Weißbrot
50 ml Madeira
50 ml Portwein
50 ml kräftiger Rotwein
200 ml Wildfond

50 g butter in einer Pfanne aufschäumen, die fein geschnittene Schalotte und die Pilzwürfel dazugeben und alles ca. 3 Minuten dünsten. Petersilie unterrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Rehmedallions mit Salz und Pfeffer würzen und in einer Pfanne mit zerdrückten Wacholderbeeren, Thymian und Rosmarin von jeder Seite zwei Minuten anbraten.

Die Medallions aus der Pfanne nehmen und etwas ruhen lassen. mit Pilzwürfeln 0,5 cm dick belegen, zerkrümeltes Weißbrot darüberstreuen und Butterflöckchen darauf verteilen. Die Medallions vor dem Servieren 10 Minuten bei 200° im Ofen garen, evtl. den Grill einschalten.

Das Bratenfett aus der Pfanne gießen, den Bratensatz mit Madeira, Portwein und Rotwein auflösen und stark einreduzieren. Mit Wildfond aufkochen und einköcheln lassen. 50 g kalte Butter einrühren und die Soße durch ein Sieb passieren. Die Rehmedallions mit der Soße servieren.

Previous
Zehn Rezepte für ein ganzes Reh
Next
Fettnäpfchen
Portrait Fabian Grimm
Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel. Töten und ausnehmen, zerteilen und zubereiten kann ich noch als Einheit erleben. Ich verwerte ausschließlich Wild, egal ob Fleisch oder Fisch: Das hat mit Freude am Selbermachen zu tun, mit ehrlicher, regionaler Ernährung, und vor allem mit Tieren, die ihre Bedürfnisse und Instinkte in Freiheit ausleben konnten.

Beliebte Beiträge