Warum ich jage

Dank David Seitz von Schlaraffenwelt kann man sich einen kurzen Film zu Gemüte führen, der das ganze eigentlich viel besser auf den Punkt bringt als der lange Text unten…

 

 

Viele Jahre war ich überzeugter Vegetarier. Nichts essen was Augen hat, die Tiere einfach mal in Ruhe lassen, Fleisch ist Mord – das ganze Programm. Inzwischen habe habe ich ein Gewehr, einen Jagdhund und schreibe seit zwei Jahren darüber, wie ich Wildschweine und Rehe erlege und zubereite. Ein Widerspruch ist das für mich nicht: Jedes Leben befindet sich in einer Konkurrenzsituation zu anderem Leben, da alle Ressourcen begrenzt sind. Darwin nannte das »survival of the fittest«, und fand in diesem Prinzip die Grundlage seiner Evolutionstheorie.

Zu Leben bedeutet Leben zu nehmen, oder Leben zu verdrängen und unmöglich zu machen. Jede geerntete Pflanze wird getötet, jede Ackerfläche steht nicht als Habitat zur Verfügung und selbst eine vom Boden gesammelte Frucht fehlt in der Nahrungskette. Nicht nur eine fleischliche Ernährung bedingt es zu töten, sondern überhaupt zu leben verhindert immer auch anderes Leben. Gerade deshalb ist ein ethischer Anspruch an die eigene Nahrung und ihre Erzeugung gut und wichtig – der Verzicht auf Fleisch für mich aber nicht mehr die einzige oder beste Lösung.

Tiere esse ich also wieder, sogar mit höchstem Genuss – wenn ich sie selbst getötet und verarbeitet habe. Verantwortung für die eigene Ernährung zu übernehmen, bedeutet für mich, mich nicht nur auf Siegel und Zertifikate zu verlassen. Ich lebe bewusst auf dem Land, halte Wachteln und Bienen, fange manchmal Fische und gehe viel auf die Jagd. Nicht um mich als kauziger Eigenbrötler von der zivilisierten Gesellschaft abzuwenden, sondern einfach weil es mir riesigen Spaß macht.

Jagd bedeutet für mich, mich intensiv mit Lebensraum und Lebensrhythmus der Wildtiere zu beschäftigen. Es ist herrlich, so viel Zeit im Wald zu verbringen und zu versuchen, sich in das Wild hineinzufühlen um sein Verhalten immer besser zu verstehen. Ganz nebenbei wandern so außerdem Wildkräuter, Früchte, Pilze und Beeren in die Küche.

Etwa bei jedem zehnten Versuch gelingt es mir Beute zu machen. Vor mir liegt dann ein totes Tier und eine große Aufgabe: Mache ich beim Ausnehmen einen Fehler, beeinträchtigt das die Fleischqualität enorm. Später verarbeite ich das komplette Tier vom Lebewesen zum Lebensmittel. Aber welches Teilstück ist für welche Zubereitungsmethode geeignet? Und wie kann ich unbeliebtere Stücke wie Herz, Nieren, Leber sinnvoll verwerten? Es macht Spaß, Antworten auf diese Fragen zu suchen, denn Wildfleisch ist einfach ein fantastisches Lebensmittel. Die Tiere wachsen langsam, mit viel Bewegung und artgerechter Nahrung. Das schmeckt man: Jede Wildart hat ihren eigenen, feinen Geschmack der sich mit den Jahreszeiten verändert. Ich tausche gerne mit anderen Jägern und Jägerinnen, Freunden und Bekannte Ideen und Rezepte aus und freue mich auf eure Anregungen und Ideen!

 

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Portrait Fabian Grimm
Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel. Töten und ausnehmen, zerteilen und zubereiten kann ich noch als Einheit erleben. Ich verwerte ausschließlich Wild, egal ob Fleisch oder Fisch: Das hat mit Freude am Selbermachen zu tun, mit ehrlicher, regionaler Ernährung, und vor allem mit Tieren, die ihre Bedürfnisse und Instinkte in Freiheit ausleben konnten.

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