Die Augen mitessen 2

Allgemein

Wildkräuterbutter, hässlich aber wunderbar

Butter aus dem Kühlschrank nehmen damit sie warm und weich wird, ein kurzer Spaziergang mit offenen Augen und einem kleinem Körbchen, danach ein bisschen schneiden und Kräuterschnipsel und Butter zusammenmatschen – Wildkräuterbutter ist unkompliziert, lecker und immer ein guter Grund das Haus zu verlassen. Damit passt sie doch schon perfekt in die Coronazeit.

Meistens versuche ich verschiedene Geschmacksrichtungen in der Wildkräuterbutter zu vereinen, ähnlich wie bei einem Chutney: duftig-süßer Waldmeister als Kontrast zu Sauerklee, der, wie der Name schon sagt, sauer schmeckt, dazu Bärlauch oder junge Knoblauchsrauke, die so würzig ist, dass der Geschmack schon beinahe ins Scharfe geht… Noch ein bisschen Salz und vielleicht auch etwas weißer Pfeffer, oder scharfes Wiesenschaumkraut, so lange es noch blüht. Das Fett dient als Geschmacksträger und -verstärker und arbeitet den Geschmack der Pflanzen heraus, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

Kräuterbutter ist also ganz wunderbar, anpassungsfähig und sogar gut einzufrieren – aber leider nicht schön. Nicht, dass sie hässlich wäre, hellbeige mit grünen Flecken ist noch okay. Aber auch nicht mehr: „Whoa, die Kräuterbutter sieht einfach toll aus“ ist und bleibt ein seltener gesagter Satz.

Bütenzauber (kitschig?)

Löwenzahn kennt wirklich jeder, das Kraut wächst überall und hat sogar eine eigene Fernsehsendung. Man findet ihn auf jeder Wiese, im Park, auf Verkehrsinseln, in Hundepieselecken, er wuchert sogar durch Risse im Asphalt… Und er ist essbar!

Aus den jungen Blättern kann man einen herben Salat machen, aber heute soll wegen der mitessenden Augen wie schon bei den Spaghetti letzte Woche die Blüte im Vordergrund stehen.

Die gelben Blüten pflücken, den Stiel und einen Teil des grünen Kelchs abschneiden. Nur die langen tiefgelben Blüttenblätter herauszupfen und auf einem Tellerchen verteilen. Die weiche, fertig abgeschmeckte  Kräuterbutter mit den Händen zu Kugeln rollen und ohne Druck in den gelben Fasern wälzen. Sie bleiben sofort kleben, und statt langweilig grün gefleckter Butter gibt es ein goldenes, flauschiges Bällchen auf jeden Teller.

Bonus-Profitipp

Komplimentärkontrast: einzelne lilafarbene oder tiefblaue Blüten von Ehrenpreis, Gundermann oder Veilchen werten die Wildkräuterbutter optisch noch weiter auf: Optik Boom, sogar zur schnöden Grill-Bulette!

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Ich bin Fabian Grimm, herzlich wilkommen auf meinem Blog. Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel.
Auf dieser Seite präsentiere ich meistens die Ergebnisse: zarte Rehsteaks, kerniges Wildschweingulasch oder Burger mit selbstgemachtem, wildem Hackfleisch – und zeige  manchmal auch die vielleicht weniger schönen Schritte auf dem Weg dorthin. Es geht um die Freude am draußen sein, um den Spaß am Selbermachen, um ehrliche, regionale Ernährung und vor allem um Tiere, die so leben können, wie sie es selbst für artgerecht halten.

„Ich esse, also jage ich“

Über die Gedanken und Erfahrungen, die mich zu dem Entschluss geführt haben, die Jägerprüfung abzulegen und über die unerwarteten Veränderungen, die diese Entscheidung auch für andere Lebensbereiche bedeutet hat, habe ich ein Buch geschrieben:

Ich esse also Jage ich, Buch, Fabian Grimm, Haut-gout.de, Vom Jäger zum Vegetarier, Cover
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