Des Jägers Ehrenschild?

AllgemeinText

//Das Reh läuft nicht schnell
//Falsche Zeit und falscher Ort
//Aus Unschuld wird Steak

Das ist ein Haiku über die Jagd, Haiku sind eine traditionelle japanische Gedichtform. Für die Versmaß und Silbenzahl gelten genaue Regeln, die sich nur schwer auf andere Sprachen übertragen lassen. Wahrscheinlich würden Menschen, die sich viel mit japanischer Lyrik beschäftigen, über meinen Versuch lachen.

Ein Gedicht über die Jagd, und dann auch noch einer derart speziellen Form – ob ich das ernst meine? Ich bin mir da selbst nicht sicher. Eher nicht, aber einen Versuch war es wert.

Über Jagd und tote Tiere zu schreiben fällt mir nicht immer leicht, obwohl ich es regelmäßig versuche. Zu schnell wird es auf der einen Seite schwülstig und pathetisch, und auf der anderen genauso schnell pietätlos und gefühlskalt.

Jagd ist ursprünglich und archaisch. Menschen töten Tiere, um sie zu essen. Vielleicht haben wir sogar einen instinktiven „Jagdtrieb“ wie Hunde und andere Raubtiere? Jagd macht Freude, gleichzeitig kann einem der Anblick der eigenen Beute nahegehen. Als Jäger mag ich Tiere und freue mich, wenn ich sie beobachten kann. Trotzdem kann ich sie erschießen.

Über solche Erfahrungen und Widersprüche kann man nachdenken, und wenn man sie aufschreibt, kann man die Gedanken teilen. Im besten Fall regt man damit andere an, oder es entsteht sogar ein Gespräch.  Zum tausendsten Mal den Spruch von der Kräuterlikör-Flasche wiederzukäuen oder stumpf das – aus meiner Sicht vollkommen unpassende – Wort „Respekt“ in den (digitalen) Raum zu werfen, ist wertlos.

Ich war ein paar Tage krank und habe mehr Zeit als sonst in den sozialen Medien verbracht. Währenddessen habe ich mir oft gewünscht, dass mehr Jägerinnen und Jäger sich trauen würden, eigene Gedanken zu formulieren, statt unter jedem Post auf »altbewährtes« zu vertrauen. Wie man das erreichen oder anschieben kann? Keine Ahnung. Vielleicht reicht es aber auch, einfach wieder gesund und draußen zu sein, statt auf Instagram zu daddeln und Haiku zu schreiben.

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Grimms Wildkochbuch

Fünfzig Rezepte sind für mein ersten Kochbuch zusammengekommen, acht Tiere werden zubereitet – trotzdem ist es ein bisschen mehr als ein Kochbuch: Wenn ich ein Stück Fleisch aus dem Gefrierschrank nehme, erinnere ich mich genau daran, wo es herkommt. Bei jeder Art findet sich deshalb neben den Rezepten auch ein ausführlicher Text zu dem Jagderlebnis hinter dem Fleisch.

Ich bin Fabian Grimm, herzlich wilkommen auf meinem Blog. Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel.
Auf dieser Seite präsentiere ich meistens die Ergebnisse: Rehsteaks,  Wildschweingulasch oder Burger aus  selbstgemachtem, wildem Hackfleisch – und zeige manchmal auch die weniger schönen Schritte auf dem Weg dorthin. Es geht um die Freude am draußen sein, um den Spaß am Selbermachen, um ehrliche, regionale Ernährung und vor allem um Tiere, die so leben können, wie sie es selbst für artgerecht halten.

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