Warum jage ich?

Viele Jahre war ich überzeugter Vegetarier. Nichts essen was Augen hat, die Tiere einfach mal in Ruhe lassen, Fleisch ist Mord – das ganze Programm. Inzwischen habe ich ein Gewehr, einen Jagdhund und schreibe auf dieser Seite seit knapp fünf Jahren darüber, wie ich Wildschweine, Rehe und anderes Wild erlege, zubereite und schließlich mit großem Genuss aufesse. Ein Widerspruch ist das für mich nicht, oder nicht mehr: Zu leben bedeutet Leben zu nehmen, oder anderes Leben unmöglich zu machen. Jede geerntete Pflanze wird getötet und jede Ackerfläche steht nicht als Habitat zur Verfügung.  Selbst eine vom Boden gesammelte Frucht fehlt in der Nahrungskette. Nicht nur eine fleischliche Ernährung bedingt es zu töten, sondern überhaupt zu leben verdrängt immer auch anderes Leben. Jedes Lebewesen befindet sich in einer Konkurrenzsituation zu anderen, da alle Ressourcen begrenzt sind. Darwin hat das Ergebnis mit »survival of the fittest« beschrieben, und in diesem Prinzip die Grundlage seiner Evolutionstheorie gefunden. Gerade deshalb ist ein ethischer Anspruch an die eigene Nahrung und ihre Erzeugung gut und wichtig – der Verzicht auf Fleisch für mich aber nicht mehr die einzige oder beste Lösung.

Ich esse, also jage ich

Jäger zu sein bedeutet für mich, mir meine Lebensmittel selbst zu erarbeiten und mich intensiv mit Lebensraum und Lebensrhythmus der Wildtiere zu beschäftigen. Es ist herrlich, so viel Zeit im Wald zu verbringen und zu versuchen, sich in das Wild hineinzufühlen um sein Verhalten immer besser zu verstehen. Außerdem wandern so fast wie von selbst Wildkräuter, Früchte, Pilze und Beeren in die Küche.

Tiere esse ich also wieder, sogar ausgesprochen gerne – wenn ich sie selbst getötet und verarbeitet habe. Verantwortung für die eigene Ernährung zu übernehmen funktioniert für mich am besten, wenn ich mir die Hände selbst schmutzig mache und mich nicht nur auf Siegel und Zertifikate verlasse. Gerade bei Fleisch ist es mir wichtig wirklich zu verstehen, wo es herkommt. Das Thema an sich ist so komplex, dass alle Gedanken dazu hier den Rahmen sprengen würde – ich habe sie deshalb in ein Buch gepackt und „Ich esse, also jage ich“ geschrieben.

Vom Lebewesen zum Lebensmittel

Jäger zu sein heisst aber auch, Beute zu machen. Das klappt nicht immer, aber auch ein blindes Huhn trinkt mal ’n Korn: Etwa bei jedem fünften Versuch gelingt es mir ein Tier zu erlegen. Vor mir liegt dann ein totes Lebewesen und eine große Aufgabe: Mache ich beim Ausnehmen, während der Fleischreifung oder beim Zerteilen einen Fehler, beeinträchtigt das die Fleischqualität unter Umständen enorm. Ich versuche das komplette Tier vom Lebewesen zum Lebensmittel zu verarbeiten – aber welches Teilstück ist für welche Zubereitungsmethode geeignet? Warum muss man die Hachse anders zubereiten als das Filet? Wie gelingt es, das optimale Geschmackserlebnis aus jedem Zuschnitt herauszukitzeln? Und wie kann ich auch die unbeliebteren Stücke wie Herz, Hirn oder Hoden sinnvoll verwerten? Es macht Freude, Antworten auf diese Fragen zu suchen.

Warum ein Blog?

Wildfleisch ist ein fantastisches Lebensmittel. Die Tiere wachsen langsam, mit viel Bewegung, abwechslungsreicher Nahrung und einfach genau so, wie sie selbst es für »artgerecht« halten. Bei Nutztieren ist das in der Regel anders, und diesen Unterschied schmeckt man: Jede Wildart hat ihren eigenen, feinen Geschmack der sich mit den Jahreszeiten, dem Lebensalter und der Ernährung des einzelnen Tieres in Nuancen immer wieder verändern kann. Ich beschäftige mich gerne und intensiv mit der zubereitung und Verarbeitung und tausche gerne mit anderen Jägerinnen und Jägern, Freunden und Bekannte Ideen und Rezepte aus. Ich freue mich auf Anregungen und Erfahrungen!

Ein Jäger hat im Wald ein Reh erlegt. Jetzt wird er es verarbeiten.

Ich bin Fabian Grimm, herzlich wilkommen auf meinem Blog. Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel.
Auf dieser Seite präsentiere ich meistens die Ergebnisse: zarte Rehsteaks, kerniges Wildschweingulasch oder Burger mit selbstgemachtem, wildem Hackfleisch – und zeige  manchmal auch die vielleicht weniger schönen Schritte auf dem Weg dorthin. Es geht um die Freude am draußen sein, um den Spaß am Selbermachen, um ehrliche, regionale Ernährung und vor allem um Tiere, die so leben können, wie sie es selbst für artgerecht halten.

„Ich esse, also jage ich“

Über die Gedanken und Erfahrungen, die mich zu dem Entschluss geführt haben, die Jägerprüfung abzulegen und über die unerwarteten Veränderungen, die diese Entscheidung auch für andere Lebensbereiche bedeutet hat, habe ich ein Buch geschrieben:

Ich esse also Jage ich, Buch, Fabian Grimm, Haut-gout.de, Vom Jäger zum Vegetarier, Cover
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