Warum ich jage

Vom Vegetarier zum Jäger

Ich esse, also jage ich

Viele Jahre war ich überzeugter Vegetarier. Nichts essen was Augen hat, die Tiere einfach mal in Ruhe lassen, Fleisch ist Mord – das ganze Programm. Inzwischen habe habe ich ein Gewehr, einen Jagdhund und schreibe seit drei Jahren darüber, wie ich Wildschweine und Rehe erlege, zubereite und mit großem Genuss aufesse. Ein Widerspruch ist das für mich nicht, oder nicht mehr: Zu leben bedeutet Leben zu nehmen, oder Leben zu verdrängen und unmöglich zu machen. Jede geerntete Pflanze wird getötet und jede Ackerfläche steht nicht als Habitat zur Verfügung.  Selbst eine vom Boden gesammelte Frucht fehlt in der Nahrungskette. Nicht nur eine fleischliche Ernährung bedingt es zu töten, sondern überhaupt zu leben verhindert immer auch anderes Leben. Jedes Leben befindet sich in einer Konkurrenzsituation zu anderem Leben, da alle Ressourcen begrenzt sind. Darwin nannte das »survival of the fittest«, und fand in diesem Prinzip die Grundlage seiner Evolutionstheorie. Gerade deshalb ist ein ethischer Anspruch an die eigene Nahrung und ihre Erzeugung gut und wichtig – der Verzicht auf Fleisch für mich aber nicht mehr die einzige oder beste Lösung.

Lebensmittel ohne Brief und Siegel

Tiere esse ich also wieder, sogar ausgesprochen gerne – wenn ich sie selbst getötet und verarbeitet habe. Verantwortung für die eigene Ernährung zu übernehmen, funktioniert für mich nur so, dass ich mir ganz buchstäblich selbst die Hände schmutzig mache und mich nicht nur auf Siegel und Zertifikate verlasse. Gerade bei Fleisch ist es mir wichtig wirklich zu wissen, wo es herkommt.

Jagd bedeutet für mich, mir meine Lebensmittel selbst zu erarbeiten und mich intensiv mit Lebensraum und Lebensrhythmus der Wildtiere zu beschäftigen. Es ist herrlich, so viel Zeit im Wald zu verbringen und zu versuchen, sich in das Wild hineinzufühlen um sein Verhalten immer besser zu verstehen. Ganz nebenbei und fast wie von selbst wandern so außerdem Wildkräuter, Früchte, Pilze und Beeren in die Küche.

Vom Lebewesen zum Lebensmittel

Jagen heisst aber auch Beute machen. Das klappt nicht immer, aber auch ein blindes Huhn trinkt mal ein‘ Korn: Etwa bei jedem fünften Versuch gelingt es mir ein Tier zu erlegen. Vor mir liegt dann ein totes Lebewesen und eine große Aufgabe: Mache ich beim Ausnehmen, während des Fleischreifung oder beim Zerteilen einen Fehler, beeinträchtigt das die Fleischqualität unter Umständen enorm. Später verarbeite ich das komplette Tier vom Lebewesen zum Lebensmittel. Aber welches Teilstück ist für welche Zubereitungsmethode geeignet? Wie gelingt es, das optimale Geschmackserlebnis heruaszukitzeln? Und wie kann ich unbeliebtere Stücke wie Herz, Nieren, Leber sinnvoll verwerten? Es macht Spaß, Antworten auf diese Fragen zu suchen.

Warum ein Blog?

Wildfleisch ist ein fantastisches Lebensmittel. Die Tiere wachsen langsam, mit viel Bewegung und der Nahrung, die sie selbst für artgerecht halten. Das schmeckt man: Jede Wildart hat ihren eigenen, feinen Geschmack der sich mit den Jahreszeiten immer wieder verändert. Ich tausche gerne mit anderen Jägern und Jägerinnen, Freunden und Bekannte Erfahrungen, Ideen und Rezepte aus und freue mich auf eure Anregungen!

Ein Jäger hat im Wald ein Reh erlegt. Jetzt wird er es verarbeiten.

Über mich:

Ich bin Fabian Grimm, herzlich wilkommen auf meinem Blog. Ich bereite hier ausschließlich Wild zu: Das hat mit Freude am Selbermachen zu tun, mit ehrlicher, regionaler Ernährung, und vor allem mit Tieren, die ihre Bedürfnisse und Instinkte in Freiheit ausleben konnten.
Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel. Töten und ausnehmen, zerteilen und zubereiten kann ich noch als Einheit erleben – und zeigen.

Neueste Beiträge:

  • Tweller mit medium gebratenem Steak vom Reh
    Das perfekte Steak!

Das Buch zum Blog:

Beliebte Beiträge:

Partner:

LinkedIn