Innereien

Hirn als Herausforderung

Igitt! Weg mit dem glibberigen Gekröse! Hundefutter ist das, bestenfalls, aber in die Küche kommen die Innereien mir sicher nicht…

Auch ich bin – wie heute wohl die meisten Menschen – weitgehend ohne Innereien auf dem Speisezettel aufgewachsen. Leberwurst gab es natürlich, aber bitte im Golddarm. Auch andere Würste wurden gegessen, in ihnen könnte möglicherweise ein bisschen Herz, Schwarte oder Ohr versteckt gewesen sein. Gebratene Leber oder Nieren als Schaschlik habe ich nie gegessen. Genau das macht diese Teilstücke für mich jetzt so spannend – ich kenne sie noch nicht. Ich weiß beim besten Willen nicht, was mich erwartet. Ich habe keinen Vergleich für paniertes Hirn, keine Erfahrung mit gebratener Leber. Ob eine Pizza gut oder schlecht gelungen ist, kann ich in kürzester Zeit beurteilen. Über die Jahre habe ich eine Menge Pizzen gegessen und einige selbst gebacken. Knuspriger Rand, leicht gebräunter Käse, der Boden nicht dünn und labbrig, aber auch auf keinen Fall zu dick… Ich habe ein zusammengepuzzletes Idealbild einer Pizza im Kopf, und daran messen sich jetzt alle, die ich i´n Zukunft noch essen werde.

Verarbeite ich eines der inneren Organe zum ersten Mal, erwarten mich vollkommen neue Geschmackswelten und unbekannte Texturen und Konsistenzen. Ich muss frisch und offen an die Zubereitung gehen und bin immer wieder gespannt auf das, was mich auf dem Teller erwartet. Wie schmeckt das, wie fühlt sich das an – mag ich das? Auch beim zweiten, dritten, vierten Versuch mit Hirn oder Leber bin ich noch weit von Routine entfernt.

Neues auszuprobieren zu wollen ist nicht unüblich. Manche Menschen kaufen für solche Erlebnisse aufwändig herangekarrte Krustentiere und Muscheln oder lassen viel Geld in teuren Restaurants. Andere reisen in ferne Länder, wo ihnen frittierte Taranteln und Schlangenfleisch angeboten werden. Unbekannt, aufregend, eine kulinarisches Erinnerung– solche Augenblicke kann man auch mit neuen Teilstücke vom Wild aus dem Wald vor der Haustür erleben.