Lügen haben lange, dünne Beine

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Ab dem ersten Mai dürfen wieder Rehe gejagt werden, Böcke und einjährige Weibchen. Pünktlich als die Sonne am wolkenlosen erscheint, schleiche ich gegen halb zehn leise zum ausgewählten Hochsitz und richte mich dort leise ein. Nach stundenlangem Stillsitzen dröhnt bereits nach wenigen Sekunden plötzlich ein leises Blätterrascheln direkt hinter mir durch den verregneten Wald. Ein dunkler Schatten im abendlichen Dämmerlicht! „Jetzt bloß keine plötzliche Bewegung“, denke ich so leise ich kann, während ich mich blitzschnell herumwerfe und das Gewehr an die Schulter reiße, dann…

Blödsinn, frei erfunden und furchtbar schlecht erzählt. Das Foto ist zwar Anfang Mai entstanden, aber schon fünf oder sechs Jahre alt. Normalerweise knipse ich selten »Erlegerbilder«, hier habe ich eine Ausnahme gemacht: Dieses Schmalreh war damals das erste Tier, bei dem ich auf dem Weg zum Lebewesen zum Lebensmittel wirklich alles selbst gemacht habe: Ich habe an diesem Tag selbst den Wind geprüft, einen von vielen möglichen Hochsitzen im Revier ausgewählt und alleine überlegt zu welcher Zeit ich dort sitzen möchte. Ich habe alleine überlegt, ob das wohl ein Schmalreh ist und alleine entschieden, dass ich auf dieses Reh schießen werde. Danach habe ich es alleine ausgenommen und einige Tage später auch ohne Hilfe verarbeitet. Jeden dieser Schritte hatte ich vorher schon mehrfach geübt, aber eben noch nie, ohne dass mir dabei wenigstens bei einem Teil der Aufgaben jemand auf die Finger geschaut hat. Was war ich stolz, als das gebratene Filet dann auf meinem Teller lag – endlich ein richtiger Jäger mit allem was dazu gehört!

Heute morgen war ich nicht auf der Jagd. Auch in den nächsten Wochen wird es kaum klappen. Mir fehlt gerade einfach die Zeit, um wie sonst entspannt auf einem Holzbrett zu sitzen und die Bäume anzustarren. An sich ist es für mich kein Problem, noch ein bisschen auf den Beginn der Jagdzeit zu warten und auch die Rehe werden es wohl überleben, aber in den sozialen Medien kann ich das so nicht schreiben: Bestimmt würde es dann schnell heißen, das mir die nötige „Passion“ fehlt. Gleich am ersten Mai zu sitzen, das gehört doch einfach dazu, so für richtige Jäger. Mist!
Aber wenn ich so tue als ob, ein altes Bild poste und mir dazu eine passende Geschichte zu Erlegung aus den Finger sauge – dann sollte das eigentlich niemand merken, oder?

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Grimms Wildkochbuch

Fünfzig Rezepte sind für mein ersten Kochbuch zusammengekommen, acht Tiere werden zubereitet – trotzdem ist es ein bisschen mehr als ein Kochbuch: Wenn ich ein Stück Fleisch aus dem Gefrierschrank nehme, erinnere ich mich genau daran, wo es herkommt. Bei jeder Art findet sich deshalb neben den Rezepten auch ein ausführlicher Text zu dem Jagderlebnis hinter dem Fleisch.

Ich bin Fabian Grimm, herzlich wilkommen auf meinem Blog. Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel.
Auf dieser Seite präsentiere ich meistens die Ergebnisse: Rehsteaks,  Wildschweingulasch oder Burger aus  selbstgemachtem, wildem Hackfleisch – und zeige manchmal auch die weniger schönen Schritte auf dem Weg dorthin. Es geht um die Freude am draußen sein, um den Spaß am Selbermachen, um ehrliche, regionale Ernährung und vor allem um Tiere, die so leben können, wie sie es selbst für artgerecht halten.

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