Ich esse Beeren und habe keine Angst vor dem Fuchsbandwurm

Warum ich keine Angst vor dem Fuchs-Bandwurm habe

TextWilde Pflanzen

Wenn etwas im Wald wächst, stecke ich es in meinem Mund. Ausnahmen mache ich für erwiesenermaßen giftige Pflanzen, Früchte und Pilze und Dinge, bei denen ich schon weiß, dass sie mir nicht schmecken. Vieles ist aber nicht nur ungiftig, sondern schmeckt auch hervorragend, Blaubeeren zum Beispiel, die esse ich dieses Jahr kiloweise. Wenn ich dann schmatzend und mit blau-roten Händen zwischen den Büschen hocke, höre ich hin und wieder Stimmen, die fragen, ob ich denn nicht befürchten würde, mich über die Früchte mit dem Fuchsbandwurm anzustecken. Füchse leben im Wald, der Kot mit dem Fuchsbandwurm infizierter Tiere kann die Eier des Bandwurms übertragen.

Trotzdem mache ich mir keine Sorgen wegen des Bandwurms und lasse es mir schmecken. Warum?

Fuchsbandwurm durch beeren?

Fuchsbandwurm-Infektionen sind furchtbar selten

Im Jahr 2018 wurde die meldepflichtige Erkrankung in Deutschland insgesamt 139 Mal festgestellt. In 34 Fällen erfolgte die Ansteckung in Deutschland, in 65 Fällen im Ausland und in 40 Fällen gibt es keine Angabe. Das Risiko scheint mir extrem gering.

Füchse leben nicht nur im Wald

Nun kann man natürlich einwenden, dass auch nur wenige Menschen intensiv Waldbeeren essen, und das Risiko sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken trotz der geringen Zahlen für echte Genießer hoch sein könnte. Das bringt mich zum nächsten Punkt: Füchse sind Kulturfolger, sie kommen mit der Nähe des Menschen ausgesprochen gut zurecht. Es gibt keinen logischen Grund zu vermuten, dass Waldbeeren stärker oder häufiger belastet wären als im Freiland kommerziell angebaute Beeren und Gemüsesorten. Wo Füchse vorkommen, kacken sie auch – egal ob auf Wald- oder Zuchterdbeeren. Dass selbst eventuell um die Flächen gebaute Zäune nur mit viel Aufwand ein sicherer Schutz vor Füchsen sind, kann jeder Hühnerhalter bestätigen. Trotzdem erhitzt kaum jemand alle Erdbeeren, Gurken und Kohlrabi vor dem Verzehr, egal ob sie aus dem eigenen Garten stammen, oder aus dem Laden. Ob mit Fuchskot belastete Nahrung überhaupt eine Rolle bei den Ansteckungen spielt, ist umstritten und nicht leicht nachzuvollziehen, weil die Krankheit erst nach Jahren bemerkt wird. Eine wesentlich größere Bedeutung könnten (leider) Haustiere haben.

Hunde als mögliche Infektions-Quellen

Tatsächlich habe ich also ein (innerhalb der geringen Infektionszahlen) vergleichsweise hohes Risiko, den Bandwurm zu bekommen – wegen Akira, meiner Hündin. Hunde sind Füchsen so ähnlich, dass sie – anders als Menschen – kein Fehlwirt für den Fuchsbandwurm sind, sondern als Hauptwirt in Frage kommen. Akira lebt in den gleichen Räumen wie ich, und sie schläft zwar nicht mit im Bett, aber doch immerhin im Schlafzimmer. Falls sie Bandwürmer hätte, wären die auch ständig dabei, auch die Wahrscheinlichkeit, dass Akira erkrankt, gering bleibt, weil wir eben in einem fuchsbandwurm-armen Land leben und weil sie regelmäßig entwurmt wird. Wenn ich aber wirklich etwas unternehmen möchte, wäre es sinnvoller, mich von ihr zu trennen, als auf die Beeren zu verzichten. Beides habe ich nicht vor.

Akira vom Ulmenstein, kleiner Münsterländer Jagdhund in Ausbildung ist auf einem Feldweg abgelegt

Das Robert Koch Institut fasst die ganze Geschichte in seinem »RKI-Ratgeber zur Echinokokkose« so zusammen:

„ Infektionsgefahr besteht vor allem in Hochendemiegebieten dort, wo unter schlechten hygienischen Bedingungen enge Kontakte mit dem Hauptwirt (Hund) bestehen.“

»RKI-Ratgeber zur Echinokokkose«

Zur Sicherheit habe ich vor etwa zwei Jahren im Rahmen einer anderen Blutuntersuchung spontan darum gebeten, auch mal nach dem Fuchsbandwurm zu sehen. Der Test war negativ, und wenn mich jemand braucht, sitze ich weiter zwischen den Blaubeerbüschen, bewege mich erst, wenn ich mit dem Arm keine Beeren mehr erreichen kann und freue mich schon auf die bald reifenden Him- und Brombeeren.

Diesen Beitrag habe ich zusammen mit vielen anderen in die gesammelten Fragen zum Thema Wild und Wildfleisch aufgenommen.


Quellen:
RKI-Ratgeber zur Echinokokkose

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2018, S.77 ff

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Grimms Wildkochbuch

Fünfzig Rezepte sind für mein ersten Kochbuch zusammengekommen, acht Tiere werden zubereitet – trotzdem ist es ein bisschen mehr als ein Kochbuch: Wenn ich ein Stück Fleisch aus dem Gefrierschrank nehme, erinnere ich mich genau daran, wo es herkommt. Bei jeder Art findet sich deshalb neben den Rezepten auch ein ausführlicher Text zu dem Jagderlebnis hinter dem Fleisch.

Ich bin Fabian Grimm, herzlich wilkommen auf meinem Blog. Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel.
Auf dieser Seite präsentiere ich meistens die Ergebnisse: Rehsteaks,  Wildschweingulasch oder Burger aus  selbstgemachtem, wildem Hackfleisch – und zeige manchmal auch die weniger schönen Schritte auf dem Weg dorthin. Es geht um die Freude am draußen sein, um den Spaß am Selbermachen, um ehrliche, regionale Ernährung und vor allem um Tiere, die so leben können, wie sie es selbst für artgerecht halten.

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