Wildschinken selbst räuchern

Allgemein

Seit zwei Tagen hängt bei mir der erste Rehschinken der Räuchersaison 2020/21 im Räucherofen. Ein paar Wochen wird es noch dauern, dann kann ich meinen Schinken endlich anschneiden…
Die eigene Jagdbeute selbst zu räuchern gilt als die Königsklasse der Wildverarbeitung, dabei ist es alles andere als kompliziert. Ich möchte in diesem Beitrag kurz erklären, wie man mit einfachsten Mitteln Wildfleisch für den eigenen Bedarf räuchern kann.

Was passiert beim Räuchern?

Grundsätzlich muss man sich das Räuchern als langsames Austrocknen vorstellen, nicht als Garprozess: Salz verhindert, dass das Fleisch während des Trocknens fault und entzieht dem Gewebe Wasser, der Rauch aromatisiert es und schützt zusätzlich. Es ist sogar möglich, Wildfleisch ohne es zu räuchern zu einem dann nur luftgetrockneten Schinken zu verarbeiten. Das Fleisch muss Flüssigkeit abgeben, langsames Trocknen bedeutet deshalb auch, dass das es deutlich an Gewicht verliert. Vor allem aber sollte man sich bewusst sein, dass es in erster Linie Zeit braucht, um einen ordentlichen Schinken herzustellen.

Vorbereitung und Pökeln

Zum Räuchern besonders geeignet sind die sehnenarmen, edlen Teilstücke aller Wildarten: Der Rücken, das Filet und die ausgelösten Muskeln aus der Keule. Zunächst wird das Fleisch gepökelt. Pro Kilo Wildbret werden 30 Gramm Pökelsalz abgewogen und nach Geschmack mit etwas Wacholder, einigen zerstoßenen Pfefferkörnern, ein oder zwei Lorbeerblättern oder anderen Gewürzen vermischt. Dazu kommt noch etwas Zucker, dann wird das Fleisch vakuumiert (oder alternativ in einen sehr eng verschlossenen Gefrierbeutel gepackt). Etwa zwei Wochen lagert das gesalzene Fleisch im Kühlschrank und wird gelegentlich gewendet. Als einfache Faustregel gilt ein Tag pro cm Fleischdicke an der stärksten Stelle – etwas länger zu warten schadet nie. Zu kurz gepökeltes Fleisch fault aber leicht, weil es nicht durchgehend ausrechend Salz enthält.

Nach dem Pökeln wird der zukünftige Schinken abgespült, abgetrocknet und einen Tag bei Raumtemperatur zum Trocknen aufgehängt.

Was braucht man, um selbst Wild räuchern zu können?

Um die eigene Beute selbst zu räuchern werden außer Wildfleisch und Gewürzen zwei Dinge benötigt: Ein Ofen, der eigentlich nicht viel mehr ist, als eine Kiste, in der der Rauch sich ein wenig staut und dann abzieht, und ein Sparbrand, in dem Holzmehl verglüht. Die Kiste kann man kaufen, mit dieser Anleitung selber bauen oder im Notfall sogar durch einen stabilen Pappkarton mit Luftlöchern ersetzen. Einen Sparbrand bekommt man für um die 20 € im (online-)Fachhandel. Dazu gibt es passendes Räuchermehl. Wichtig ist, keine groben Späne im Sparbrand zu verwenden, sie sind für andere Räucherverfahren gedacht.

Pökelsalz

Es ist üblich, zum Pökeln mit Nitrit versetztes Salz zu verwenden, früher wurde Salpeter beigegeben. Das Nitrit hemmt die Vermehrung bestimmter unerwünschter Bakterien, die das Fleisch verderben würden. Es ist grundsätzlich auch möglich, mit Stein- oder Meersalz zu pökeln, allerdings eben weniger sicher. Außerdem hat Nitritpökelsalz den Vorteil, dass es für die übliche dunkelrote Farbe eines rohen Schinkens sorgt – mit „normalem“ Salz wird er eher grau-bräunlich. Kaufen kann man „NPS“ im Fachhandel und auf Nachfrage in der Regel auch in der Metzgerei.
Nitritpökelsalz hat nicht den besten Ruf, deshalb schreibe ich diesen Absatz. Es gibt sogar Leute, die bewusst darauf verzichten. Ein wichtiges Argument dabei ist, dass krebserregende Stoffe entstehend könnten, wenn gepökeltes Fleisch (oder rote, gepökelte Wurst) erhitzt werden. Allerdings lässt sich das ja recht einfach vermeiden. Ich selbst setze es deshalb gerne und mit gutem Gewissen ein und behalte im Hinterkopf, dass ich den Schinken nicht brate oder z.B. auf der Pizza gare.

Räuchern in der Praxis

Das gepökelte und getrocknete Fleisch wird drei bis fünf Mal für je acht Stunden in den Rauch gehängt. Zwischen den Räuchergängen immer einen oder zwei Tage pausieren, das Fleisch soll ja eben auch trocknen. Geräuchert wird, wenn es kühl ist, also im Herbst und Winter: Im Ofen sollte die Temperatur etwa 10–20 °C betragen. Bei sommerlich hohen Temperaturen wird der Schinken sauer, allerdings kann man zumindest in den Übergangsjahreszeiten gut nachts räuchern. Wann genau genug Rauch am Fleisch war, lässt sich nicht pauschal sagen. Zum einen hängt es vom persönlichen Geschmack ab, ich selbst mag z.B. eher wenig Rauch- und viel Wildaroma. Zum anderen beeinflussen die Temperatur und vor allem die Luftfeuchtigkeit das Ergebnis – der Schinken ist fertig, wenn die Farbe stimmt und er angenehm rauchig duftet.

Den Schinken trocknen lassen

Eigentlich kann der Schinken nach dem Räuchern sofort angeschnitten werden, allerdings ist er dann noch recht weich. Ich versuche deshalb immer mich lieber noch einige Wochen zusammenreißen, und wenigstens einen Großteil des geräucherten Schinkens in einem kühlen Raum aufgehängt noch einige Wochen reifen und härten zu lassen.

Tipp: Ganz ohne Räucherofen kann man einen hervorragenden Kochschinken aus Wildfleisch herstellen. Mein Rezept findet sich in meinem Kochbuch.

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Grimms Wildkochbuch

Fünfzig Rezepte sind für mein ersten Kochbuch zusammengekommen, acht Tiere werden zubereitet – trotzdem ist es ein bisschen mehr als ein Kochbuch: Wenn ich ein Stück Fleisch aus dem Gefrierschrank nehme, erinnere ich mich genau daran, wo es herkommt. Bei jeder Art findet sich deshalb neben den Rezepten auch ein ausführlicher Text zu dem Jagderlebnis hinter dem Fleisch.

Ich bin Fabian Grimm, herzlich wilkommen auf meinem Blog. Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel.
Auf dieser Seite präsentiere ich meistens die Ergebnisse: Rehsteaks,  Wildschweingulasch oder Burger aus  selbstgemachtem, wildem Hackfleisch – und zeige manchmal auch die weniger schönen Schritte auf dem Weg dorthin. Es geht um die Freude am draußen sein, um den Spaß am Selbermachen, um ehrliche, regionale Ernährung und vor allem um Tiere, die so leben können, wie sie es selbst für artgerecht halten.

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