Kategorie: Rezepte

Rehkeule mit Bärlauch-Crêpes

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Passend zur Bärlauchsaison ist mir ein wirklich uraltes Rezept über den Weg gelaufen:Vor genau fünf Jahren, im April 2014, habe ich ein Rezept für eine Rehkeule mit Bärlauchcrepes und Rahmspargel gekocht und fotografiert. Veröffentlich wurde das damals zum Beginn der Jagdsaison auf den Rehbock am ersten Mai beim Deutschen Jagdverband. Für mich war es das erste mal, dass meine Foodfotos gezeigt wurden – und einer meiner ersten Gehversuche zum Thema Fleisch überhaupt. Ein halbes Jahr vorher war ich noch Vegetarier, auch wenn die DJV-Redaktion das damals nicht wusste.

Seither hat sich viel getan: Der DJV zeigt seine Wildrezepte mittlerweile auf Wild-Auf-Wild.de, ich meine seit Ende 2015 hier auf der Seite. Das Rezept an sich ist aber immer noch ganz in Ordnung. Statt Rahmspargel zu machen würde ich die edlen Stangen inzwischen nur kurz und kräftig anbraten und mit gutem Olivenöl anrichten, und als Kerntemperatur für die Keule würde ich heute eher 60°C als 70 °C anstreben, aber ansonsten kann man das schon so lassen. Bei den Fotos hat sich seither zum Glück aber auch ein bisschen was getan.

Für das vollständige Rezept im Original-Layout einfach auf das Bild klicken:

 

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Rezepte

 

Wenn ich ein Reh oder ein Wildschein erlege, kann ich unmöglich das ganze Fleisch auf einmal verarbeiten. Wenigstens einen Teil muss ich haltbar machen indem ich es einfriere, indem ich es pökle und räuchere oder indem ich das Fleisch einkoche. Es fällt mir unerwartet schwer, über das Einkochen zu schreiben. Diese Konservierungsmethode und alles, was mir daran gefällt, scheint so unendlich altbacken zu sein: »Ein weiterer Vorteil ist, dass die eingekochten Vorräte ein echter Blickfang in der Küche sind…« Furchtbar! Trotzdem koche ich wirklich gerne und viel Wild ein!

Der Vorgang an sich ist einfach. Ein fertig zubereitetes Gericht wird in ein Glas gefüllt und für eine Weile auf über 100 °C erhitzt. Es werden so alle Keime abgetötet und eine luftdicht verschlossene Konserve hergestellt. Die fertigen Gläser sind ungekühlt monatelang haltbar. Fleisch wie Marmelade zu behandeln und kochend heiß abzufüllen funktioniert nicht. Fruchtaufstriche werden durch den hohen Zuckergehalt konserviert, einweißreiches Fleisch verdirbt so behandelt schnell.

Ich koche alles ein, was sich gut in größeren Mengen vorbereiten lässt: Gulasch, Curry, Chili, Rouladen, Hackfleischsoße, Fond, Leberwurst

Einkochen spart Platz im Gefrierschrank, außerdem lassen die Gläser sich, anders als Gefrier- oder Vakuumbeutel, immer wieder verwenden. Mir ist es wichtig, Wild im Alltag und nicht nur als Sonntagsbraten zu verwerten: Ein Glas Wild-Bolognese abzushmecken und über heiße Nudeln zu kippen, ist wirklich immer möglich.

Ich verwende spezielle Einkochgläser und ersetze nur ab und an mal die Gummiringe. Mit ein bisschen Glück finden sich solche Gläser in irgendeinem Keller oder auf dem Flohmarkt, neu kosten sie bei verschiedenen Herstellern ca. einen Euro pro Glas. Ausgespülte Schraubgläser eignen sich nicht so gut zum Einkochen, weil die erwärmte Luft schlechter entweichen kann und weil die Deckel häufig nicht mehr wirklich dicht schließen.

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Der fertig zubereitete Inhalt sollte nur bis 2-3 cm unter den Rand in Gläser eingefüllt werden, denn das Einkochgut dehnt sich beim Erwärmen aus. Manche Gläser werden mit einem Metallbügel verschlossen, andere mit Klammern – beides funktioniert. Der Rand der Gläser muss sauber sein: Wenn der Gummiring nicht auf dem Glas aufliegt, dringt Luft ein und der Inhalt verdirbt.

 

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Die verschlossenen Gläser in den Einkochtopf stellen. Sie sollten mindestens bis zur Füllhöhe im Wasser stehen, noch besser ist es, wenn sie eintauchen. Das Wasser wird kalt eingefüllt und der ganze Topf dann erhitzt. Erst wenn das Wasser sprudelnd kocht, beginnt die eigentliche Einkochzeit von 90 Minuten. Das Wasser us die ganze Zeit kochen.
Die Gläser nach dem Einkochen aus dem Wasserbad nehmen und nicht darin abkühlen lassen, sonst köchelt der Inhalt noch länger nach und zerkocht – oder diese zusätzliche Kochzeit schon bei der Zubereitung einplanen. Während des Abkühlens bleiben die Klammern auf dem Glas, ich nehme sie frühestens nach 12 Stunden ab, meistens erst nach einigen Tagen.
Ein erfolgreich konserviertes Glas ist nach dem Abkühlen durch den Luftdruck fest verschlossen. Die Klammern können abgenommen werden und es lässt sich am Deckel hochheben oder umdrehen ohne aufzugehen.

 

Einkochen, Einwecken, Koservieren, Wild, Wildbret, Wildfleisch, Reh, Rotwild, Schwarzwild, Rehwild, Wildschwein, Jagd, Jäger, Wildbret, Haut gout, Fabian GrimmWenn die Lasche zum Öffnen des Glases schräg nach unten zeigt, ist das auch ein gutes Zeichen.
Es ist wichtig, nicht richtig verschlossene Gläser rechtzeitig zu erkennen. Direkt nach dem misslungenen Einkochen ist der Inhalt nicht verdorben und kann entweder nochmal eingekocht oder doch sofort verbraucht werden. Stellt sich später heraus, dass ein Glas nicht mehr dicht verschlossen ist, ist der Inhalt verdorben, leider kommt das gelegentlich vor – häufig weil ein Spritzer Sauce zwischen Glas und Gummirand war…

 

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Fond und Seuche

AllgemeinBeilagenSonstiges

Vorletzte Woche fand in Dortmund eine große Jagdmesse statt, auf der ich ein bisschen was über Rehe und ihren Weg vom Lebewesen zum Lebensmittel erzählen durfte. Eigentlich stand für heute ein kleiner Rückblick auf dem Zettel, dazu die Rezepte, die ich dort zum Verkosten dabei hatte…
Uneigentlich hat irgendjemand eine gemeine Seuche auf die Veranstaltung eingeschleppt. Der Keim fand in den vollbesetzten Messehallen offenbar ideale Bedingungen um sich zu verbreiten – so weit ich es mitbekommen habe, war ich nicht der einzige, der die letzte Woche mit Tee und Taschentüchern im Bett verbracht hat. Um so mehr hatte ich mich auf meinen haltbar eingekochten Vorrat an Rehfond gefreut, als ich schon mit Kopfschmerzen und verstopfter Nase aus NRW nach Hause kam.

 

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Hase mit Rüben

AllgemeinRezepteSchmorfleisch

Ein paar Tage vor Weihnachten habe ich meinen ersten Feldhasen geschossen. Vorher habe ich nie in einem Revier gejagt, wo es so viele Hasen gab, dass ich einen hätte erlegen wollen. Dort wo ich zu Gast war, ist das anders: In dieser Gegend sind Hasen noch recht häufig, was wohl auch an der kleinstrukturierten, vielfältigen Landwirtschaft liegt. Mit den Worten: „Wenn du willst und es passt, kannst du dir gerne einen mitnehmen“ wurde ich auf meinen Hochsitz geschickt. Ich wollte, vor allem weil mich der vielgerühmte Geschmack von Hasenfleisch interessiert hat, und“gepasst“ hat es auch:  Zu Weihnachten gab es dann also Hase. Lecker!

Lauscher bzw. Ohren des Feldhasen

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Süßkartoffel, Wildschwein und Walnüsse

AllgemeinWildhack

Heute heisst es wieder „Saisonal schmeckts besser“, entsprechend ist einer der Hauptdarsteller des Rezepts eine Gemüsesorte, die gerade Saison hat. Im Winter ist das nicht mehr ganz so einfach wie im August, aber auch jetzt gibt es Sorten, die nicht vom anderen Ende der Welt eingeflogen werden müssen. Die Süßkartoffeln etwa wurden zwar schon vor einer Weile geerntet, aber mindestens bis Weihnachten sollten sie noch lagerfähig sein, habe ich mir zumindest sagen lassen.
Ergänzt habe ich meine Süßkartoffel mit etwas Wildschweinhack, und das ist tatsächlich nicht saisonal: Schon im Mai hatte ich das Schwein geschossen, gut 30 Kilo hatte es damals auf die Waage gebracht. Ohne Fell, Kopf und Knochen bleiben davon 15 Kilo übrig, die seither sauber zerteilt und verpackt in meinem Gefrierschrank warten und Stück für Stück in der Pfanne landen. Auch bei »Saisonal schmeckts besser« hat das Schwein mehrfach eine Rolle gespielt. Die Rippen sind mit grünem Spargel auf dem Grill gelandet, ein wenig Hack habe ich in eine Kohlrabi gestopft und auch auf einem Burger im Herbst war Fleisch von genau diesem Tier. Jetzt im November ist das Fleisch des Wildschweins bald aufgebraucht, aber immerhin ein halbes Jahr war bei mir Wildschweinsaison.
Das ist natürlich ein bisschen geschummelt: An sich wäre das Fleisch nur wenige Tage haltbar gewesen, auch weil es Ende Mai schon ordentlich warm war. Ich habe die Wildschweinfleischsaison verlängert, das Fleisch gefroren und dafür Strom verbraucht – ist das dann noch saisonal? An sich: nein. Im beheizten und beleuchteten Gewächshaus haben auch Tomaten im November noch Saison, deshalb bekommt man ja auch immer noch Tomaten aus Holland im Supermarkt.

 

Ich verarbeite ein ganzes Wildschwein.

 

Trotzdem packe ich gerne mein asaisonales Schwein auf meine saisonale Süßkartoffel. Für mich sind beides gute Lebensmittel: Das Schwein habe ich selbst erlegt und verarbeitet, außerdem hatte es ein gutes Leben in Freiheit. Die Süßkartoffel kommt aus der Region und musste nicht aufwändig konserviert oder weit transportiert werden. Und vor allem: Beides passt gut zusammen, schmeckt und macht satt!

Eine große Süßkartoffeln (meine hat ca 1 kg gewogen!)
300 g Wildschweinhack
ein Ei
Salz, Pfeffer, Koriander, Kreuzkümmel
Walnüsse
150 ml Joghurt
2 El Honig
1 El Tahin

Die Süßkartoffel waschen, halbieren und in die Schnittflächen längs Kerben schneiden (die entstehenden Keile stabilisieren die Kartoffelhälften später im Ofen, nicht wegwerfen). Das Wildschweinhack mit dem Ei und den Gewürzen vermischen, auf die Kartoffelhälften geben und mit Walnüssen belegen. Die Kartoffelhälften im Backofen für etwa eine Stunde bei 150° Umluft backen bis sie weich sind. Aus dem Ofen nehmen, etwas abkühlen lassen und währenddessen einen passenden Dip aus Joghurt, Honig und Tahin anrühren. Die Süßkartoffel kann jetzt einfach aus der Schale gelöffelt werden, das Wildschwein sorgt für Geschmack und die Walnüsse für einen gewissen Biss.

 

 

Natürlich haben sich auch die anderen Teilnehmer an „Saisonal schmeckt’s besser“ heute wieder etwas einfallen lassen, als Montasgemüse zur Auswahl standen Chicoree | Chinakohl | Endivie | Feldsalat | Fenchel | Grünkohl | Kürbis | Lauch | Portulak | Pastinaken | Radicchio | Rosenkohl | Rote Bete | Rotkohl | Schwarzkohl | Schwarzwurzeln | Spinat | Süßkartoffeln | Steckrüben | Topinambur | Weißkohl | Wirsing…

Kleiner Kuriositätenladen – Schwarzwurzeltarte mit Walnussstreuseln
Jankes*Soulfood – Kumpir mit Kisir, Rotkohl & Joghurtsauce
Lebkuchennest – Gebackene Kürbisspalten mit Senfglasur und Kürbiskernpolenta mit Maispoularde in Kürbiskernpanade
Küchenlatein – Wurzelgemüse-Quiche mit Mandeln
Kochen mit Diana – Geschmortes Kraut

Möhreneck – Spinatsalat
Schlemmerkatze – Pfannenbrot mit Fenchel
pastasciutta.de – Frühlingsrollen mit Herbstfüllung
Madam Rote Rübe – Rohkostsalat: Rote Bete-Salat mit Dörrpflaume und Walnuss
Ye Olde Kitchen – Polenta mit gebratenem Hokkaido und Kürbiskernpesto
S-Küche – Gefüllte Conchiglioni  mit Rotkohl und Pilzen – Fleischlose Wintergemütlichkeit

thecookingknitter – Karottenaufstrich mit kandierter Rote Bete
moey’s kitchen – Pasta mit Grünkohl, Bratwurst und Senfsauce
Delicious Stories – Kalbsnuss mit Maronenfüllung und Süßkartoffelstampf
Ina Is(s)t – Purple Curry Rotkohlsalat mit Granatapfel und Linsen
Pott.lecker – Ruhrpottroulade mit Grünkohl und Pumpernickel
Emilies Treats – Kimchi selber machen
feines gemüse – Grünkohl-Tarte mit Eiern und Kümmel

 

 

Fabian Grimm von haut-gout.de zieht ein Reh aus dem Wald
Als Jäger verarbeite ich Tiere vom Lebewesen zum Lebensmittel. Töten und ausnehmen, zerteilen und zubereiten kann ich noch als Einheit erleben. Ich verwerte ausschließlich Wild, egal ob Fleisch oder Fisch: Das hat mit Freude am Selbermachen zu tun, mit ehrlicher, regionaler Ernährung, und vor allem mit Tieren, die ihre Bedürfnisse und Instinkte in Freiheit ausleben konnten.

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